Fr., 23. (Premiere der Uraufführung) bis So., 25. Oktober und Mo., 9. Nov. + Di., 10. Nov.:
20.00 Uhr
Eintritt: 15,-
Euro, erm. 10,- Euro
Freie Platzwahl!


 

Unsere neue Hausproduktion !!!
"AM BEISPIEL MEINES BRUDERS" nach dem gleichnamigen Buch von UWE TIMM - mit TOMMASO CACCIAPUOTI und KAI HUFNAGEL
Regie: MICHAEL WEBER

"...Brückenkopf über den Donez. 75m weiter raucht Iwan Zigaretten, ein Fressen für mein MG."

Ein lückenhaftes, höchst verstörendes Tagebuch ist alles, was dem jüngeren Bruder bleibt. Der Ältere meldet sich im Alter von 18 Jahren freiwillig bei der Waffen-SS und stirbt 1943 in der Ukraine an der Front. Uwe Timm, der in seiner autobiographischen Erzählung von seiner Familie und deren Umgang mit dem Tod seines älteren Bruders berichtet, ist damals 3 Jahre alt. In diesem Jahr ist der bekannte Autor 75 Jahre alt geworden. Im fast dokumentarischen Stil gehalten schildert er, der "damit warten musste, bis alle (Familienmitglieder) tot sind", deren Werdegang und stellt die Frage nach den Zusammenhängen. Schonungslos geht Timm den Schilderungen und zugrunde liegenden Motiven seiner nächsten Verwandten nach und zeichnet einen tief mit der Nazizeit verwickelten Familienkosmos. Er tut dies gegen den Trend einer Betroffenheits- Kultur, die zunehmend das Leid der Deutschen in den Vordergrund stellt und damit das Täter- Opfer- Verhältnis Deutschlands zu den von ihm überfallenen Ländern relativiert oder gar umkehrt. Trotzdem findet er eine Sprache, die auch das Poetische im Verrückten zulässt, fernab von Heimatkitsch und Vertriebenenpathos, die seine Erschütterung spürbar werden lässt und das Geschilderte nachvollziehbar macht. Wie, fragt er sich immer wieder, hätte er gehandelt, wäre er damals etwas älter gewesen? Wieviel kluge Distanz hätte er gehabt? Worin besteht Schuld innerhalb einer gesellschaftlichen Struktur, wie weit reicht Verantwortung? Das ist zu Zeiten von zunehmenden Auslandseinsätzen Deutschlands eine kluge Fragestellung, die unser Haus schmückt. Laut einer Studie der Bertelsmann- Stiftung möchten 81 % der Befragten die "Geschichte der Judenverfolgung hinter sich lassen"; einen regelrechten Schlussstrich wollen 58 % der Deutschen ziehen. In Israel sind es nur 22 Prozent. Fast jeder Dritte der unter 30jährigen Deutschen weiß mit dem Begriff "Auschwitz" nichts anzufangen. Fast 15 % aller damals 5000 Befragten hatten die Überzeugung, dass "die Deutschen anderen Völkern von Natur aus überlegen" seien. Das Verhalten des BND und angeschlossener Behörden im Falle der NSU – Morde zeigt die strukturelle Verwicklung des Staates und seiner Organe. Höchste Zeit für dieses Stück. Die von UWE TIMM geschilderte Familiengeschichte und wesentliche biografische Stationen des Autoren fanden in Hamburg statt. Sein Buch "Die Entdeckung der Currywurst" ist erfolgreich verfilmt worden. "Am Beispiel meines Bruders" wird in der Fassung von MICHAEL WEBER, festes Ensemblemitglied des Deutschen Schauspielhauses und unseren Zuschauern durch seine regelmäßige Teilnahme an der "Vers- und Kaderschmiede" bestens bekannt, nun zum ersten Mal auf die Bühne gebracht- WIR FREUEN UNS AUF EUREN BESUCH !!! Gefördert von der Hamburger Kulturbehörde Der Roman "Am Beispiel meines Bruders" von Uwe Timm ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.