Mo., 30.11. + Di., 1.12..
20.00 Uhr
Eintritt: 15,-
Euro, erm. 10,- Euro
Freie Platzwahl!


 


"AM BEISPIEL MEINES BUDERS" nach dem gleichnamigen Buch von UWE TIMM - mit TOMMASO CACCIAPUOTI und KAI HUFNAGEL Regie: MICHAEL WEBER

"...Brückenkopf über den Donez. 75m weiter raucht Iwan Zigaretten, ein Fressen für mein MG."

Ein lückenhaftes, höchst verstörendes Tagebuch ist alles, was dem jüngeren Bruder bleibt. Der Ältere meldet sich im Alter von 18 Jahren freiwillig bei der Waffen-SS und stirbt 1943 in der Ukraine an der Front. Uwe Timm, der in seiner autobiographischen Erzählung von seiner Familie und deren Umgang mit dem Tod seines älteren Bruders berichtet, ist damals 3 Jahre alt. In diesem Jahr ist der bekannte Autor 75 Jahre alt geworden.

Im fast dokumentarischen Stil gehalten schildert er, derdamit warten musste, bis alle (Familienmitglieder) tot sind, deren Werdegang und stellt die Frage nach den Zusammenhängen. Schonungslos geht Timm den Schilderungen und zugrunde liegenden Motiven seiner nächsten Verwandten nach und zeichnet einen tief mit der Nazizeit verwickelten Familienkosmos.

Er tut dies gegen den Trend einer Betroffenheits-Kultur, die zunehmend das Leid der Deutschen in den Vordergrund stellt und damit das Täter- Opfer- Verhältnis Deutschlands zu den von ihm überfallenen Ländern relativiert oder gar umkehrt. Trotzdem findet er eine Sprache, die auch das Poetische im Verrückten zulässt, fernab von Heimatkitsch und Vertriebenenpathos, die seine Erschütterung spürbar werden lässt und das Geschilderte nachvollziehbar macht. Wie, fragt er sich immer wieder, hätte er gehandelt, wäre er damals etwas älter gewesen? Wieviel kluge Distanz hätte er gehabt? Worin besteht Schuld innerhalb einer gesellschaftlichen Struktur, wie weit reicht Verantwortung? Das ist zu Zeiten von zunehmenden Auslandseinsätzen Deutschlands eine kluge Fragestellung, die unser Haus schmückt.

Laut einer Studie der Bertelsmann- Stiftung möchten 81 % der Befragten dieGeschichte der Judenverfolgung hinter sich lassen; einen regelrechten Schlussstrich wollen 58 % der Deutschen ziehen. In Israel sind es nur 22 Prozent. Fast jeder Dritte der unter 30jährigen Deutschen weiß mit dem BegriffAuschwitznichts anzufangen. Fast 15 % aller damals 5000 Befragten hatten die Überzeugung, dassdie Deutschen anderen Völkern von Natur aus überlegenseien. Das Verhalten des BND und angeschlossener Behörden im Falle der NSUMorde zeigt die strukturelle Verwicklung des Staates und seiner Organe. Höchste Zeit für dieses Stück.

Die von UWE TIMM geschilderte Familiengeschichte und wesentliche biografische Stationen des Autoren fanden in Hamburg statt. Sein BuchDie Entdeckung der Currywurstist erfolgreich verfilmt worden.Am Beispiel meines Bruderswird in der Fassung von MICHAEL WEBER, festes Ensemblemitglied des Deutschen Schauspielhauses und unseren Zuschauern durch seine regelmäßige Teilnahme an derVers- und Kaderschmiedebestens bekannt, nun im Polittbüro zum ersten Mal auf die Bühne gebracht- WIR FREUEN UNS AUF EUREN BESUCH !!!

Gefördert von der Hamburger Kulturbehörde - Der Roman „Am Beispiel meines Bruders“ von Uwe Timm ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.

 

 

Auszug aus den Kritiken:

 

„Dieses Stück ist ein echter Coup für das kleine Polittbüro. (…) Die Inszenierung von Regisseur Michael Weber setzt das klare und nüchterne Buch kongenial um. (…) Eine eindringliche Aufführung über die Verstrickung von Familie und Weltgeschichte. Stark!“ (Heiko Kammerhoff, Hamburger Morgenpost)

 

 

Originell, sehr intensiv und dabei humorvoll“(Melanie von Bismarck , NDR 90,3)

 

 

„Gelungene Uwe- Timm- Premiere im Polittbüro“ (Stefan Reckziegel, Hamburger Abendblatt)

 

 

„(…)aufwüh­lend, wenn zwei so exzel­lente Darsteller mit wenigen Mitteln so klar diese typi­schen Deut­schen verkör­pern. Sehenswert!“ (Christian Hanke, Godot)

 

„Man könnte denken: Altes Thema, haben wir durch, tönt schon von allen Bühnen, aber nein, in dieser Dichte und in dieser Beispielhaftigkeit habe ich es so noch nie gesehen. (…)haben die Figuren mit wenig Aufwand sehr typisch gestaltet und die verschiedenen Rollenwechsel glänzend bewältigt: Tommaso Cacciapuoti und Kai Hufnagel (…) Ein gelungener Wurf. Es stimmte einfach alles.“  (Anja Röhl, Junge Welt)

 

"Das Buch ist ein Bestseller- und das Stück ein Knüller."
(5 von 5 Sternen in der Hamburger Morgenpost)